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Grundwasser: Die IKB baut die lokale Ressource weiter aus

Über Grundwasser können Gebäude sowohl beheizt als auch gekühlt werden. Dafür errichtet die IKB Brunnenanlagen und unterirdische Netze, die das Grundwasser transportieren. Trotz vieler Hürden  geht die IKB konsequent ihren Weg beim Ausbau dieser lokalen Ressource. Über die weitere Meilensteine im Jahr 2025 haben wir Bernhard Larcher, Geschäftsbereichsleiter im IKB-Bereich Energieservices befragt.

Herr Larcher, was waren die Highlights beim Ausbau der Grundwasser-Nutzungen in Innsbruck im Jahr 2025? 

Absolutes Highlight war wohl die erfolgreiche Umrüstung und Erneuerung der Grundwasser-Anlage in der Adamgasse durch das Team der Projektingenieure der IKB. Durch den gezielten Umbau der vorhandenen Anlage konnte die Ergiebigkeit von 25 Litern pro Sekunde auf rund 100 Liter pro Sekunde gesteigert werden.

Also auf das Vierfache der Leistung! Wer nutzt denn dann dieses zusätzliche Energieangebot?

Dieses Grundwasser wird über ein Leitungssystem in der Adamgasse zum RAIQA, dem multifunktionalen Neubau der Raiffeisen Landesbank geleitet. Dort ist bereits im Sommer 2025 eine Wärmepumpe bzw. eine Kühlanlage mit Grundwasserversorgung in den Probebetrieb gegangen. Auch das energiesparende Freecooling-System funktioniert bereits im Gebäude. Dabei wird Grundwasser ohne zusätzliche Wärmepumpe zum Kühlen verwendet. So kann der Stromverbrauch deutlich gesenkt werden, da dieser nur für die Zirkulationspumpen im Gebäude benötigt wird.

Hat es sonst noch Entwicklungen im Jahr 2025 gegeben, z.B. beim Brunnen in der Angerzellgasse?

In der Angerzellgasse läuft die Entwicklung eines Folgeprojekts, das zusätzlichen Kundenbedarf in der Innenstadt decken soll. Letztes Jahr wurde eine Voruntersuchung mittels Probebohrung durchgeführt, um den geologischen Aufbau im Untergrund besser beurteilen zu können. Im Foto mit Herrn Bürgermeister Anzengruber sieht man das Bohrgerät das verwendet wurde, um auf 60m Tiefe zu bohren. Erfreulicherweise war der Pumpversuch erfolgreich und auf Basis dieser Ergebnisse wurde ein Konzept erarbeitet und mit technischen Umsetzungsplanung begonnen. 2026 werden weitere Schritte in Richtung Planung des Verteilnetzes und Anschlüsse von Gebäuden unternommen, Interessenten gibt es jedenfalls schon.

Geschäftsbereichsleiter Energieservices Bernhard Larcher

Allgemeines zur thermischen Nutzung von Grundwasser

Welchen Vorteil bietet eine Grundwasserwärmepumpe?

Aufgrund der konstanten Temperatur des Grundwassers kann die Wärmepumpe sehr effizient betrieben werden. Zum Vergleich: Die Lufttemperatur in Innsbruck schwankt über das Jahr zwischen minus 10 und plus 35 Grad Celsius. Das macht Luftwärmepumpen ineffizienter, und die Jahresarbeitszahl – also das Verhältnis von zugeführter Energie in Form von Strom zu erzeugter Wärme – verschlechtert sich. Eine Grundwasserwärmepumpe benötigt weniger Strom, um Wärme zu liefern.

Warum ist das so?

Eine Luftwärmepumpe muss im Winter gegen die kalte Außenluft arbeiten, um das Gebäude zu heizen. An warmen Sommertagen arbeitet die Kühlung gegen die erwärmte Außenluft. Es ist mehr Strom nötig, um zu heizen oder zu kühlen. Wenn kein Grundwasser oder Fernwärme zur Verfügung stehen, ist eine Luftwärmepumpe dennoch eine gute Variante, um das eigene Energiesystem auf regenerative Energie umzustellen.

Wie macht die IKB das Grundwasser nutzbar?

Es wird über einen Brunnen entnommen und über einen zweiten wieder ins Erdreich eingeleitet. Dazwischen laufen Leitungen, die ein oder mehrere Gebäude mit Wärme und Kälte versorgen. Für die Brunnen werden Löcher in eine Tiefe von 20 bis 50 Metern gebohrt. Welche Grundwasserschicht genutzt wird, hängt von der Geologie und den bereits bestehenden Nutzungen ab. Auf privatem Grund gibt es in Innsbruck schon viele Grundwasserbrunnen, die vor allem zum Kühlen eingesetzt werden.

Wie gelangt die Energie aus dem Grundwasser in die Heizungen und Kühlungen von Häusern?

Die IKB errichtet hierfür eigene Grundwassernetze. Diese Leitungen transportieren das Wasser unter Druck zu einem Wärmetauscher. Im Wärmetauscher findet der Wärmeaustausch zwischen Gebäude und Grundwasser statt. Im Heizfall wird dem Grundwasser Energie entzogen und im Kühlfall Energie auf das Grundwasser übertragen.

Mit einem System kann also klimatisiert und geheizt werden?

Mit Grundwasser kann der Wärme- und Kältebedarf aus einem System bereitgestellt werden. Historisch wurde Grundwasser vor allem zum Kühlen von Gebäuden benutzt. Die klassische Innsbrucker Lösung besteht darin, Gebäude mit Gas zu heizen und mit dem Grundwasser zu kühlen. Die IKB will hier ansetzen und Gebäudeeigentümer:innen davon überzeugen, dass Grundwasser wesentliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile bietet, wenn es auch zum Heizen verwendet wird. Das wäre nachhaltig.

Wie viel Wasser ist dafür nötig?

Das hängt vom Bedarf der Gebäude ab. Aus jedem Kubikmeter Grundwasser lassen sich fünf bis sechs Kilowattstunden Heiz- oder Kühlenergie gewinnen. Aus dem IKB-Entnahmebrunnen am Bozner Platz sprudeln 46 Liter Grundwasser in der Sekunde. Diese Leistung ist ausreichend, um mehrere große Gebäude zu versorgen.

Kann das Wasser anschließend direkt in den Untergrund zurückgegeben werden?

Ja, es darf aber eine Temperatur von 20 Grad Celsius nicht überschreiten. Die Wasserrechtsbehörde kontrolliert das sehr genau. Die IKB strebt eine ausgeglichene Nutzung an: Über das Jahr hinweg soll gleich viel Wärme aus der Kühlung in das Grundwasser übertragen werden wie zum Heizen im Winter entnommen wird.

Damit es den natürlichen Wasserkreislauf nicht beeinträchtigt?

Genau. Wird über Jahrzehnte ausschließlich Wärme ins Grundwasser eingebracht, so ist nicht klar, wie der Grundwasserkörper reagiert. Man darf sich das Grundwasser aber nicht wie einen ruhigen See vorstellen, eher wie einen gemächlichen Fluss. Es findet stetig Bewegung statt. Dadurch regeneriert es sich schnell und kann fortlaufend genutzt werden. Eine regionale, erneuerbare Ressource.