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Verantwortung für morgen
Langfristige Verantwortung für eine stabile und lebenswerte Zukunft – dieses Prinzip verbindet alle Geschäftsbereiche der IKB. Wie dieser Anspruch die Entscheidungen des Unternehmens prägt, welche Investitionen bereits heute die Versorgung von morgen sichern und welche zentralen Projekte 2025 dafür umgesetzt wurden, erläutert der IKB-Vorstand im Interview.
Was bedeutet „Heute gebaut. Morgen gesichert“ konkret für die IKB?
Dr. Thomas Pühringer: „Heute gebaut. Morgen gesichert“ ist kein Werbeslogan, sondern der Kern unserer Aufgabe.
Ein Stadtwerk wie die IKB investiert in Infrastruktur mit langer Lebensdauer. Wir reden von 40, 50, 80 und auch weit über 100 Jahren. Die Wirkung unserer Entscheidungen heute reicht oft weit in die Zukunft – manchmal wird ihr voller Nutzen erst dann sichtbar, wenn wir längst nicht mehr im Dienst oder sogar nicht mehr auf der Welt sind.
Eine unserer zentralen Frage lautet nicht: „Was kostet die Investition heute?“, sondern: „Wie teuer wird es, sie in 20 Jahren nicht gemacht zu haben?“ Ein Beispiel: Das Stromnetz können wir für die aktuelle Last auslegen oder so, dass Wärmepumpen, E-Mobilität, Batteriespeicher und dezentrale Erzeugung integriert werden können. Die zweite Variante kostet heute mehr. Sie verhindert jedoch später Engpässe, Notmaßnahmen und viel teurere Investitionen.
Die meisten Menschen bemerken die IKB dann, wenn etwas nicht funktioniert oder eine Baustelle den Lebensalltag verändert. Das ist natürlich unangenehm, aber: Wir beheben Störungen, schaffen Redundanzen, digitalisieren Netze, modernisieren Anlagen, stärken die Cybersicherheit und bauen Fachkräfte langfristig auf. Der Nutzen wird oft erst sichtbar, wenn eine Krise eintritt – und die Versorgung trotzdem stabil bleibt.
„Wir investieren heute nicht nur für den aktuellen Bedarf allein, sondern für Versorgungssicherheit, Lebensgrundlagen, Kundennutzen, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der nächsten Generationen.“
Dr. Thomas Pühringer
Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken für eine stabile Versorgung – und wie begegnet die IKB diesen?
Ing. Mag. (FH) Christian Nagele: Die größten Risiken für eine stabile Versorgung sehe ich aktuell in der zunehmenden Komplexität des Energiesystems: schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Quellen, steigender Strombedarf durch Elektrifizierung, regulatorische Unsicherheiten, Cyber- und IT-Sicherheitsrisiken sowie ein intensiver Wettbewerb um Kundenschnittstellen. Hinzu kommen wirtschaftliche Risiken sowie die Herausforderung, neue Erzeugungsanlagen rechtzeitig zu entwickeln und genehmigungsfähig umzusetzen.
Hier braucht es mehr Miteinander, um tragfähige regionale Lösungen zu entwickeln. Kraftwerksprojekte gelingen nur im Zusammenspiel aller Beteiligten mit dem gemeinsamen Ziel, Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit, ökologische Verträglichkeit und regionale Wertschöpfung in Einklang zu bringen.
Die IKB verfolgt hier einen klaren strategischen Ansatz: Wir sichern und modernisieren unsere Infrastruktur, erhöhen die Eigenversorgung aus erneuerbaren Energien, bauen Speicher- und Flexibilitätsoptionen aus und stärken zugleich die Kundenbindung im Stromvertrieb.
Durch die enge Zusammenarbeit mit starken Partnerinnen und Partnern, darunter insbesondere mit Unternehmen innerhalb der TIWAG-Gruppe, durch konsequente Digitalisierung und durch die Weiterentwicklung von der klassischen Stromlieferantin zur Energiedienstleisterin schaffen wir die Grundlage dafür, auch in einem zunehmend dezentralen, volatilen und digitalen Energiesystem verlässlich zu bleiben.
Warum ist es für die IKB wichtig, neben Infrastruktur auch in Bildung und junge Menschen zu investieren?
Dr. Alois Muglach: Weil Bildung für uns ein ebenso hohes und schützenswertes Gut ist wie Infrastruktur. Bildung schafft Möglichkeiten, nicht nur für den einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft.
Ich verwende den Begriff „Humankapital“ bewusst ungern – und doch bringt er einen zentralen Punkt zum Ausdruck: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben einen unschätzbaren Wert für unser Unternehmen. Sie sind es, die unsere Infrastruktur täglich betreiben, weiterentwickeln und verlässlich gestalten.
Deshalb investieren wir gezielt in junge Menschen. Unsere Lehrlinge sind die Fachkräfte von morgen, und mit gezielten Entwicklungsangeboten begleiten wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, sich weiterzuentwickeln und schrittweise in Führungsverantwortung hineinzuwachsen.
Für uns ist das mehr als Personalentwicklung – es ist ein wesentlicher Beitrag zur Zukunftssicherung. Denn eine starke Infrastruktur braucht nicht nur Technik, sondern vor allem kompetente, engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten wollen.
„Eine starke Infrastruktur braucht nicht nur Technik, sondern vor allem kompetente, engagierte Menschen, die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten wollen.“
Dr. Alois Muglach
Wie treffen Sie heute Entscheidungen, deren Nutzen sich oft erst in Jahrzehnten zeigt?
Dr. Thomas Pühringer: Niemand kann den Bedarf von Daten, Strom, Wärme oder Wasser im Jahr 2035 heute schon exakt bestimmen und auch nicht die Preise bzw. Kosten dafür vorhersagen. Wir nutzen Prognosen als Orientierung und fragen uns zugleich: Welche Investitionen sind in möglichst vielen Zukunftsszenarien sinnvoll?
Ausgebaute Netze für Wasser, Abwasser, Strom, Daten, digitale Steuerbarkeit, flexible Wärme- und Kältesysteme und lokale Erzeugungskapazitäten sind typischerweise Maßnahmen, die unter sehr unterschiedlichen Zukunftsbildern Wert schaffen.
Es hilft bei unseren Entscheidungen, wenn wir den Zeithorizont bewusst verlängern, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.
Bei Rotary International gibt es die Vier-Fragen-Probe. Übertragen auf die Investitionen der IKB könnten diese vier Fragen lauten:
- Hilft die Investition unserer Kundschaft auch noch in 30 Jahren?
- Erhöht sie die Resilienz gegenüber Krisen?
- Schafft sie Handlungsspielräume für kommende Generationen?
- Würde ich dieselbe Entscheidung treffen, wenn ich ihre Wirkung erst viele Jahre später beurteilen dürfte?
Wenn die Antworten auf diese Fragen „Ja“ lauten, ist die Investition wahrscheinlich richtig. Ein Unternehmen wie die IKB ist keine Organisation, die für das nächste Quartal arbeitet. Wir investieren heute nicht nur für den aktuellen Bedarf allein, sondern für Versorgungssicherheit, Lebensgrundlagen, Kundennutzen, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der nächsten Generationen.
Wo sehen Sie in den Projekten des Jahres 2025 die wichtigsten Beiträge zur Versorgungssicherheit von morgen?
Ing. Mag. (FH) Christian Nagele: Die Versorgungssicherheit von morgen entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aus resilienter Infrastruktur, eigener erneuerbarer Erzeugung, Speichern, intelligentem Vertrieb und verlässlichen Partnerschaften.
Gerade im Strombereich hat die IKB 2025 dazu wichtige Weichen gestellt. In der Erzeugung stehen die hohe Verfügbarkeit der bestehenden Kraftwerke, ein effizienter und kostenoptimierter Betrieb sowie der konsequente Ausbau erneuerbarer Erzeugung im Mittelpunkt. Projekte wie die Umsetzung des Großbatteriespeichers am Standort des Kraftwerks Obere Sill sowie die Entwicklung von Strategien zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien leisten konkrete Beiträge dazu, die regionale Stromaufbringung breiter, flexibler und klimafreundlicher aufzustellen.
Besonders wichtig ist dabei der Blick auf Flexibilität. Das Energiesystem wird zunehmend durch Photovoltaik, Wärmepumpen, E-Mobilität, Speicher und neue digitale Anwendungen geprägt. Damit steigt nicht nur der Strombedarf, sondern auch die Anforderung steigt, Erzeugung, Verbrauch und Netzinfrastruktur besser aufeinander abzustimmen. Batteriespeicher, digitale Steuerung, Smart-Meter-Daten und kundensegmentspezifische Produktlösungen sind daher zentrale Bausteine, um die Energiewende praxistauglich umzusetzen.
Im Stromvertrieb bedeutet Versorgungssicherheit für uns nicht nur, Energie bereitzustellen, sondern Kundinnen und Kunden langfristig, transparent und verlässlich zu begleiten, mit 100 Prozent erneuerbarer Stromaufbringung, hoher regionaler Nähe und innovativen Produkten und Dienstleistungen.
„Die Versorgungssicherheit von morgen entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenspiel aus resilienter Infrastruktur, eigener erneuerbarer Erzeugung, Speichern, intelligentem Vertrieb und verlässlichen Partnerschaften.“
Ing. Mag. (FH) Christian Nagele
Was ist das gemeinsame Prinzip hinter all den IKB-Geschäftsbereichen, wenn es um die Sicherung der Versorgung von morgen geht?
Dr. Alois Muglach: Verlässlich, nachhaltig und kundenorientiert. Das ist nicht nur Teil unserer Vision, sondern auch das verbindende Prinzip. Es ist unser Anspruch, die Versorgung für heute und morgen verlässlich, nachhaltig und kundenorientiert sicherzustellen.
Nachhaltig bedeutet für uns dabei bewusst mehr als Ressourcenschonung – es heißt, heute bereits verantwortungsvoll an morgen zu denken. Dazu gehört der vorausschauende Ausbau unserer Infrastruktur genauso wie der gezielte Einsatz neuer Technologien und die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Dienstleistungen.
Gleichzeitig gewinnt das Thema Resilienz zunehmend an Bedeutung. Versorgungssicherheit bedeutet heute nicht nur Verfügbarkeit, sondern auch Widerstandsfähigkeit gegenüber neuen Risiken – etwa durch steigende Systemkomplexität, Klimaveränderungen oder Cyberbedrohungen.
Wir investieren daher gezielt in die Absicherung unserer Infrastrukturen, digitale Schutzmechanismen und Notfallkonzepte, um auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben.
Über alle Geschäftsbereiche hinweg verfolgen wir damit ein klares Ziel: eine Infrastruktur zu gestalten, die stabil, sicher und zukunftsfähig ist – und gleichzeitig nahe an den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden bleibt.